Mittwochs-ABC: -L-

L    wie Luxus

Ja, was ist eigentlich Luxus? So einfach lässt sich diese Frage nicht beantworten und das möchte ich auch gar nicht tun. Ich möchte Euch lieber etwas erzählen, mir ist gerade so danach.
 
Meine Eltern mussten im März 1946 Polen verlassen. Was konnten sie mitnehmen? Das, was sie angezogen hatten und einen Kinderwagen, in dem mein nicht einmal drei Monate alter Bruder lag.
Hier in Berlin fanden sie Unterschlupf in einer Gartenlaube. Irgendwie überstanden sie aber auch den Hungerwinter und kurze Zeit danach konnten sie in ein Zimmer einer richtigen Wohnung als Untermieter einziehen. Während dieser Zeit lernte mein Vater auf der Abendschule. Er war gelernter Schlosser, wollte aber Lehrer werden. Er hat später immer erzählt, als er sein erstes Gehalt bekommen hat, es waren etwas über 300 Mark, wussten er und meine Mutter im ersten Moment gar nicht, was sie mit dem vielen Geld machen sollten.
1952 haben sie dann eine richtige Wohnung in einem Zwei-Familienhaus bekommen, in der sie über 40 Jahre gewohnt haben. In  dieser Wohnung haben anfangs mehr Mäuse als Menschen gelebt und wenn wir als Kinder ganz still waren, konnten wir sie hören und auch sehen. Auch konnte immer nur ein Zimmer geheizt werden. In der Küche waren die mit Ölfarbe gestrichenen Wände im Winter vereist.  Irgendwann gab es einen neuen Gasherd mit Kohleofen. 
Allmählich ging es aber bergauf. Ein Warmwasserboiler für Badezimmer und Küche kam, die Waschmaschine und der Fernseher. Ich kann mir gar nicht vorstellen, wie sich meine Mutter gefühlt haben muss, als sie die Wäsche nicht mehr mit der Hand waschen musste. 
Viele Jahre später gab es dann noch einen Wäschetrockner und natürlich auch einen Geschirrspüler.

Das war alles mal Luxus und zum Teil ist es das für mich heute noch. Es kommt einzig und allein auf den Blickwinkel an, aus der man die Sache betrachtet.

 

 

D    wie Dankbarkeit

Es gibt so unendlich vieles, für was wir dankbar sein können und trotzdem fällt es uns oft schwer, dies auch in Worte zu fassen.
Viele Dinge halten wir inzwischen für selbstverständlich, wie ein Dach über dem Kopf, ein warmes Bett oder genug zu essen. Aber auch dafür kann und sollte man dankbar sein, denn vielen Menschen bleiben diese für uns ganz normalen Dinge ein Leben lang verwehrt. 
Auch wenn es nicht immer  so gelaufen ist, wie ich es mir gewünscht hätte, bin ich für all die  Jahre meines Lebens dankbar, denn es ging mir immer gut. Ebenso dankbar bin ich aber auch für jeden weiteren Tag, an dem ich in Gesundheit all das noch machen kann, was mir Spaß macht.

 

Ein Projekt  bei Maksi von Kunterbunte Gedankenwelt
 

Kommentare

  1. Sehr schön geschrieben, liebe Jutta, und ich pflichte Dir vollkommen bei! Ich könnte da auch aus dem Zeitnähkästchen meiner Eltern plaudern. Was geht es uns heute gut.
    Und die wirklich wertvollen Dinge bekommt man eh nicht mit Geld.
    Ich bin jeden Tag dankbar für alle möglichen schönen Dinge, die unbezahlbar sind.
    Einen ebensolchen schönen ruhigen Abend wünsche ich Dir noch,
    viele Liebgrüße,
    Tiger
    🐯

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  2. Oh ja, sehe es auch so...schon allein ein Dach über dem Kopf zu haben, Essen auf dem Tisch, fließend Wasser und Strom, das sind doch schon alles Dinge die man als Luxus bezeichnen kann und wofür man dankbar sein sollte. Leider ist es so einigen Menschen überhaupt nicht mehr bewusst was ich persönlich sehr traurig finde. Schon allein auch dafür sollte man täglich dankbar sein. Uns hier auch wieder vor Augen gehalten wenn der Blick nach La Palma geht. Eines konnte ich nach meinem Umzug nach hier feststellen, hier ist man mit viel weniger zufrieden und mancher "Luxus" wird schon als Dekatent angesehen.

    Liebe Grüsse

    Nova

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  3. Ganz lieben Dank für deine Worte und Gedanken zum Thema, liebe Jutta! Es ist schön zu lesen, dass es doch noch viele Menschen - neben dir - gibt, die die gleichen Werte haben, wie man selbst.

    Herzliche Grüße
    Maksi

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  4. Beide Themen passen wunderbar zusammen. Was für uns heut völlig normal, war für unsere Eltern enorme Erleichterung und Luxus. Deshalb sollten wir viel mehr Dankbarkeit empfingen, für all das was für uns so selbstverständlich ist.

    lg gabi

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  5. Liebe Jutta,
    da hast du ja ein ähnliches Kriegserlebnis gehabt wie ich. Auch wir wurden aus Polen vertrieben, ich war damals fast 4 Jahre und habe manches noch in Erinnerung. So wie bei euch, ist es bei uns auch verlaufen, nur sind wir im Norden Deutschlands gelandet. Mit Luxus wurden wir wahrlich nicht überschüttet, jede Kleinigkeit, die den Alltag erleichterte, waen wir überglücklich. Darum bin ich es gewöhnt, mit einfachen Dingen fertig zu werden. Dein Bericht hat mich sehr berührt. Dankbarkeit ist für mich nicht nur ein Wort, es ist gelebtes Leben.
    Liebe Grüße
    Edith

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